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Glück, das in Rollen steckt

10/06/2011

Bekannter weise bin ich ja eher so Teilzeitmisanthrop, überzeugt davon dass viel zu viele Menschen sich heute nur noch um sich kümmern, nicht mal mit böser Absicht, sondern weil sie nichts anderes interessiert.
Regelmäßig reißt mir der Geduldsfaden bei im Weg Rumsteher, Nicht austeigen Lassern, Vordränglern, Menschen bei denen ein ‚bitte‘, ‚danke‘, ‚entschuldigung‘ oder ein ‚dürfte ich bitte‘ schlichtweg nicht zum Wortschatz gehört.

Wahrscheinlich liegt es auch zum Teil daran, dass ich eben so bin. Unerschütterlich. Natürlich dann immer umso deprimierter, wenn ich auf eine sehr nett formulierte Frage eine unverschämte Antwort bekomme zum Beispiel, oder mit helfe einen fremden Kinderwagen aus der Bahn zu hieven und zum Dank die Bahn ohne mich weiter fährt.

Aller Voraussicht nach würde ich zu einer verbitterten und zänkischen alten Frau entwickeln, wenn es eben nicht doch die anderen gäbe. Die seltenen aber umso mehr Eindruck hinterlassenden Ausnahmen.

So wie gestern: Mit dem Auto auf den letzten Metern des Feierabendsweg, erblickte ich im Vorbeifahren an einem Sperrmüllhaufen einen kleinen Tisch, der vier nagelneue dicke Gummirollen untergeschraubt hatte, genau solche, die ich am Wochenende beim Schweden zu kaufen plante. Wirklich genau die, wirklich quietschneu.
Das Auto also abgestellt, die paar Meter zurück gelaufen – da stand schon jemand, mit dem Schraubenzieher in der Hand, und sicherte sich – natürlich – gerade die dritte Rolle.

Mit guter Laune quatschen wir ihn einfach an, sagen was von ’schade‘ und dass das tolle Rollen wären.
Ganz erschrocken schaut er uns an und fragt, ob wir die auch haben wollten, ob wir sie brauchen würden, er würde sie uns geben. Ich lache und erzähle ihm von meinen Plänen, die ich damit hätte, das er aber zuerst da gewesen ist und das schon ganz in Ordnung so wäre, wir hätten ja auch kein Schraubenzieher dabei gehabt.
Schließlich fangen wir an, uns gegenseitig die Rollen gegenseitig anzubieten, bis wir schließlich noch mal betonen, dass das völlig okay ist, ihm noch einen schönen Abend wünschen, schon jetzt erfreut über so viel Freundlichkeit, uns umdrehen und wieder gehen.

Gerade ein paar Meter weit gekommen holt er uns auf seinem Fahrrad ein, in einer Hand die vier Rollen balancierend, sorgsam mit den Schrauben dazu, damit auch nichts verloren geht.
‚Bitte‘ sagt er, wir müssten sie nehmen, es würde ihm Unglück bringen, wenn er uns nicht damit glücklich machen könnte und wo wir doch schon wüssten, wofür wir sie verwenden würden, ‚bitte‘ betont er nochmal und schließlich nehmen wir sie, freuen uns mehr über diesen Menschen, der einfach so nett ist und gehen mit einem großen Lächeln und ein bisschen mehr gutem Glauben an die Menschheit in den lauen Sommerabend.
 
 
 
 
 
Uhr: 01:17
Hörbar: Schon alles aus – aber Domian gleich, Bettzeit
Laune: Unverändert strahlend

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