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Bergseen

12/01/2008

Nach der Arbeit an der
Haltestelle im Regen spricht er mich an.
Die Kapuze tief im Gesicht, die Schultern fröstelnd hoch gezogen, dabei ist es
warm heute. Er schnorrt mich um eine Kippe an, für einen kurzen, intensiven
Moment schaut er mit dabei tief und fest in die Augen.

Diese Augen! Ein klares, dunkles blau, welches fast ins grün geht, wie ein unberührter Bergsee, in dem man sich wie neugeboren fühlt, wenn man reinspringt.

Während ich ihm die Kippe fast automatisch verweigere, wage ich einen kurzen Blick … rote entzündete Stellen um Augen und Mundwinkel, Einstichstellen sogar auf dem Handrücken, die gehetzte, geduckte Haltung … er ist noch nicht sehr alt, schwer einzuschätzen, vielleicht in einem Alter …

„Trotzdem Danke“ sagt er und schaut mir noch mal in die Augen. Diese Augen, die eigentlich zu einem Anderen Ich gehören sollten, zu einem lieben, lebensfrohen Menschen, jemand, der einen
Job hat, der ihn wirklich ausfüllt und Spaß macht, ein Familienmensch, jemand, dem das Glück hold ist und der das Leben liebt.

Ich wünsche ihm, dass er dieses andre Ich, das zu diesen Augen gehört in sich noch entdeckt und irgendwie die Kurve bekommt.

Diese Augen – wunderschön.

 
 
 
 
 
Hörbar: Rage against the machine ~ Darkness
Laune: Seltsam

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