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Ohne Rückkehr

20/09/2007

Er ist mit in der Bahn schon öfter aufgefallen, ein Hüne von Mann, unrasiert und insgesamt eine ungepflegte Erscheinung, den Kopf kahlgeschoren, die Bierflasche in der Hand sein ständiger Begleiter.

[Leider] Keine so außergewöhnlicher Anblick mag man meinen und doch ist an diesem etwas besonderes:
Die erstaunlich glatte Haut auf seiner Stirn "ziert" eine riesige Zielscheibe, augenscheinlich auf laienhafte Weise mit Nadel und Tinte auf Ewig unter die Haut gebracht.

Die Frage, die sich mir dabei immer wieder stellt, wenn ich ihn sehe:
Wie sehr muss man sich selber aufgegeben haben, um so etwas zu tun/mit sich machen zu lassen?
Sich dermaßen zu entstellen, dass es eigentlich fast unmöglich ist, jemals wieder ein relativ normales/geregeltes/sorgenfreies Otto Normalverbraucher Leben zu führen?
Sein Leben so hundert prozentig wegzuwerfen ohne den entscheidenden letzten Schritt zu machen und es zu beenden geht mir einfach nicht in den Sinn, es übersteigt meine Vorstellungskraft um Weiten.

Würde ich dermaßen tief sinken, ohne Aussicht auf Rückkehr, so komplett ohne Perspektive und Hoffnungen, ich würde morgens nicht einmal mehr aufstehen.

[Aus der Kategorie: Unbegreifliches]
 
 
 
 
 
Hörbar: Stabbing Westward ~ Perfect (Acoustic)
Laune: Hm?

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One Comment leave one →
  1. 10/12/2010 00:22

    1.
    Ist es wirklich zwangsweise ein wegwerfen des Lebens? Oder vielleicht auch eine bewusste Entscheidung für eines, bei dem diese ‚Verzierung‘ nicht zählt oder vielleicht sogar ihren Sinn hat? Nur weil das „Otto Normalverbraucher“ nicht mehr möglich ist, heißt das doch noch nicht, dass nicht hunderte andere, aus seiner Sicht vielleicht bessere Leben, nicht mehr drin wären?

    Es kann genauso gut so sein, wie du sagst – aber ich würde nicht komplett ausschließen, dass es anders sein könnte.

    geschrieben von Roland — 20 Sep 2007, 08:51

    2.
    Hum, ich bin die Letzte, die vorschnell urteilt, kann aber gleichzeitig gar nicht genau benennen, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass er damit ganz sicher kein glückliches Leben führt … Körpersprache; der stumpfe Blick, die Ungepflegtheit, die Selbstaufgabe zu lesen im Auftreten quasi. Und wenn er _so_ ein Leben als solches gewählt hat, ändert sich am Grundpunkt nichts: _ich_ kann es nicht begreifen.

    Tanya, erklärend.

    geschrieben von Tanya — 20 Sep 2007, 11:58

    3.
    vielleicht war er voll, also richtig voll, als ihm und seinem kumpel im dilirium der geistesblitz kam sich eine zielscheibe auf die stirn zu bannen. am nächsten morgen wusste er nichts mehr, sah nur beim rasieren im spiegel sein neues tatoo. seit dem pflegt er sich nicht mehr großartig, da er sich ohnehin der tatsache bewusst ist, dass nichts von dem ding über seinen augen wird ablenken können. der gebrochene blick erklärt sich damit auch selbstredend.
    nojo, oder so ähnlich, vielleicht? eine bewusste entscheidung für so was würde ich grundsätzlich auch für möglich halten. bring doch einfach mal den mut auf ein gespräch mit ihm zu beginnen und einfach mal ganz dezend zu fragen. interessieren würden mich seine motive auch!

    geschrieben von kito — 20 Sep 2007, 18:18

    4.
    ob das nun unbedingt selbstaufgabe ist, das sei mal dahingestellt. auf jeden fall hat er sich damit die chance auf „normalität“ gründlich verbaut. denn selbst wenn er irgendwann wieder ein geordnetes leben führen will, wird er sich mit der zur schau gestellten zielscheibe sehr schwer tun.

    geschrieben von emily — 20 Sep 2007, 22:22

    5.
    Wenigstens hat er die Selbstaufgabe frei gewählt. Ab einem gewissen Zeitpunkt ab dem er nicht mehr trotzdem zurück konnte.

    Im allgmeinen finde ich es erschreckend wie groß bereits in unseren Breiten die Kluft zwischen Arm und Reich. Und das ist nichtmehr ein Spruch.

    geschrieben von lonesome — 24 Sep 2007, 08:32

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