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Sie, die Kaffeebecherfrau

19/04/2007
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Morgens um 10:30, an irgendeinem Bahnhof in Deutschland sitzt sie und nippt seit einer halben Stunde gedankenverloren an einem Kaffee, der eigentlich schon zu kalt ist und den sie eigentlich auch gar nicht mehr mag – aber der Becher Kaffee ist nicht nur ein Getränk, nicht nur Droge und Sucht, sondern auch Beschäftigung für die Hände.

Sie ist anscheinend verkauft, über ihren Handrücken prangt ein "bezahlt" Stempel, aber wohl nicht in gute Hände, denn ihre Arme zieren zahlreiche blaue Flecken.
Sie zieht eine Schnute, die Kaffeebecherfrau, ihre Ohren sind nicht verstöpselt, sie hört keine Musik und liest auch kein Buch, beobachtet statt dessen die Leute um sich herum – den immer wieder über seine Wirtschaftszeitung einnickenden jungen Schlipsträger, die Gemeinschaft von Rauchern in der entsprechenden Zone, die nicht mehr wirklich junge Frau mit schrillen, mit Totenköpfen verzierter Kleidung und viel zu hohen Schuhen, die bei jedem Schritt das Gesicht zu einer Grimasse verzieht.
Dabei sieht sie selber müde aus, die Kaffeebecherfrau, blass und maulig.

Plötzlich – aus einem verirrten Gedankengang heraus – greift sie sich selber von oben in den Ausschnitt ihres T-Shirts und zieht die Stirn kraus.

Dann fängt sie an zu lächeln, zuerst zaghaft, um dann über das ganze Gesicht breit zu grinsen.
Als die Hand wieder zum Vorschein kommt, fördert sie einen kleinen Hacky Sack zu Tage.

Sie trinkt ihren Kaffee aus und steigt in den Zug.

 
 
 
 
 
Hörbar: Boy Hits Car ~ As I Watch The Sun Fuck The Ocean
Laune: Laune pausiert

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