Skip to content

Wann habe ich eigentlich aufgehört?

10/01/2007

An den genauen Zeitpunkt kann ich mich nicht erinnern, aber irgendwann habe ich aufgehört zu reden, aufgehört über mich zu reden.
Wann weiß ich nicht mehr und auch nicht warum, eigentlich bewusst geworden ist es mir erst in den letzten Wochen.

Ganz selten mal platzt etwas aus mir raus, was wirklich mein Innerstes angeht, meine Sorgen, Ängste, Nöte, Geisteszustände im Allgemeinen.
Ganz unbewusst hat sich die Meinung gebildet

„Ich erzähle nichts von mir, es sei denn, ich erfahre wirkliches Interesse und werde danach gefragt“.

Erst als ich genau das diverse Male ausgesprochen habe, ist mir bewusst geworden, dass ich schon geraume Zeit danach handle.
Hört sich auch erst mal gut an; kein sinnloses und verschwendetes blabla, keine Aufmerksamkeitsheischenden Andeutungen, um Fragen zu provozieren, stelle mich nur dem dar, der sich auch wirklich und aufrichtig für mich und mein Leben interessiert.

Jetzt bin ich mir da irgendwie gar nicht mehr so sicher.

Bedeutet diese Lebensweise, das ich alles in mich hineinfresse?
Macht gerade das mich madig und kaputt?

Die meiste Zeit habe ich aber nicht mal das Bedürfnis, mich
jemandem anzuvertrauen, egal wie „schlimm“ es steht.
Oder aber ich merke erst, wie stark das Bedürfnis ist, wenn ich wirklich hartnäckig darauf angesprochen werde und dann auch rede, erst mal dabei, kann ich mich oft selber kaum stoppen, was mir dann in meiner Meinung wiederum im nachhinein unangenehm ist.

Ein zweiter Gedankenstrang:

Erweckt man nicht erst gerade dadurch Interesse, bzw. macht sich interessant für einen Gesprächspartner, indem man etwas über sich preis gibt, sich öffnet? Man nimmt ja auch nicht jeden glanzlosen Stein zur Hand und betrachtet ihn eingehend, weil man etwas besonderes an ihm entdecken könnte.

Ok, nun vergleiche ich mich mit einem Stein, Zeit den Gedankenstrom an dieser Stelle zu beenden und ihn gegebenenfalls ein andermal weiterzuführen.

Gedankennachtrag1:

Ja, hier zu schreiben ist was anderes. Und zwar deshalb, weil ich hier so
schreibe, wie mir gerade ist, denn ich dränge mich nicht auf, rede zwar
ungefragt und ohne Interesse über mich, aber auch nur, weil ich nicht das
Gefühl habe, jemanden damit zu belästigen.

Wer nicht mag, liest es nicht, das ist einfacher als wegzuhören.

Gedankenachtrag 2:

Bin ich in der Lage, wirkliches Interesse von Höflichkeitsformeln zu
unterscheiden? Ich denke schon. Andererseits bin ich immer wieder überrascht, kleinste, scheinbar unwichtige Details über mich aus einem Mund zu erfahren, der mir, wie ich dachte, in der Vergangenheit, als ich noch redete, gar nicht zugehört bzw. Interesse an mir gezeigt hat.

 
 
 
 
 
Laune: Multo genervt
Hörbar: Letzte Instanz – Jeden Morgen

Advertisements
One Comment leave one →
  1. 14/12/2010 00:53

    1.
    Kenne das, was DU da schreibst und grade erlebst. Hatte das auch vor gut einem Jahr festgestellt, dass ich weniger rede und insgesamt auch weniger über mich und mein Tun. Hatte früher immer das Bedürfnis im Mittelpunkt zu stehen und Aufmerksamkeit zu bekommen und redete unentweg.
    Ob es einen madig macht zu schweigen? Nun, mich hat es nicht madig gemacht, eher bestärkt. Wenn jemand etwas wissen will, dann wird sie oder er schon noch fragen und dann ist auch ein gewisses Interesse vorhanden auch etwas erfahren zu wollen.
    Gut, mein Leben ist etwas einsam geworden, doch so habe ich herausgefunden, wer wirklich Anteil an meinem Leben haben möchte und wer nur „so“ mit Höflichkeitsfloskeln interessiert zu sein scheint. Das gefällt mir besser, als mit zig Leuten zu tun zu haben, die im Fall der Fälle eh nicht erreichbar wären.

    Ok, nun hab ich grad den Faden verloren … erm .. sobald ich ihn wiedergefunden habe, gibt es mehr

    Greetz

    Jens

    geschrieben von JB — 10 Jan 2007, 14:52

    2.
    Ich finde daran nichts ungewöhnliches.

    Klar hatte man z. B. in der Schulzeit Leute, die den Klassenkasper gegeben haben und welchen, deren Namen noch nicht mal wußte, weil sie lieber schweigend mit in der Runde standen.

    Aber im Laufe der Jahre entwickelt sich doch die breite Masse alle zu einem Kompromiß-Punkt. Die schweigenden werden Lauter, die Lauten werden ruhiger.

    Dieses „Zusatzgefühl“ was du da zwischen den Zeilen beschreibst, hört sich eher für mich so daß du mit dir selber unzufrieden bist und Selbstzweifel hast. ==> wo ich eher meine, daß du das nicht brauchst.

    Schau dich um, irgendwer in deinem Umfeld braucht gar nicht fragen, wie es dir geht oder es um dich steht. Der oder die weiß es einfach so…

    genug geschwafelt…

    geschrieben von C. — 13 Jan 2007, 12:58

    3.
    Nunja! Ich muss ja auch sagen, man hat es zu nem gewissen Grad auch an Deinem Blog gemerkt ;) *nurmalsoanmerk* Ob es einen Menschen interessanter macht, wenn man ihm alles aus der Nase ziehen muss und für alles nachfragen, weiß ich nicht zu beurteilen. Ich denke, dass man nicht jedem immer alles auf die Nase binden muss, aber ein gewisses Maß an Offenheit ist vielleicht auch nicht sooo schlecht ;) Die Frage ist halt, wie gestaltet man diese Gradwanderung?
    Ich habe bei mir festgestellt, dass ich (seitdem ich blogge) auch weniger über mich selbst rede… das geht sogar mittlerweile so weit, dass Menschen (die mich und mein Blog kennen) aus mir unerfindlichen Gründen da „nachschlagen“. Ich meine… ich hör mir gern Geschichten/Probleme an, mich interessieren Menschen und ich frage gern, viel und mitunter provokant bis penetrant, aber von mir kommt (außer offiziellen Sachen) nicht mehr viel.
    Bei dieser Sache muss ich sagen, dass auch das nicht das Wahre ist. Ich sag zwar immer, wer was wissen will soll fragen, aber selbst bei Fragen, die nichtmal wahnsinnig intim wären, stelle ich fest, dass ich mehr und mehr ausweichend werde. Ist das gut? Ich glaube nicht.

    geschrieben von pseiko — 18 Jan 2007, 01:55

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: