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Rentner II – Rentner in der Straßenbahn

20/02/2006

Tatsachenbericht Nummer II, Rentner in der Straßenbahn.

Dieser trägt den Titel:

Ich möchte Rentnern Duden schenken.

Sowieso arg gebeutelt von der blöden Grippe wartete ich im Regen mal wieder auf die Bahn, die mich zum Arzttermin fahren sollte.

Die Bahn fährt ein, ein Stück weiter sehe ich eine nach muslimischem Brauch verhüllte Frau sich mit einem Zwillingskinderwagen abmühen, rechts und links noch zwei Kinder, etwa 2 und 4 Jahre alt. Zwei oder drei Leute steigen an ihr vorbei an der Bahn, ich wende mich von der anvisierten Tür ab und schicke mich an ihr zu helfen. Die Kleinen auf der Hälfte der Treppe, den Kinderwagen in der Hand auf der gleichen Höhe schaffen wir also gerade die ganze Familie in die Bahn, als ein rüstiges Rentnerehepaar angestürmt kommt.

Die Bahn hat 8 Eingänge, aber nein, sie wollen natürlich gerade diesen benutzen.

Das erste Schupsen von hinten, aus den Augenwinkeln sehe ich gerade noch wie die Frau dabei ist eines der Kinder zu überrennen, dass die Treppe noch nicht verlassen hat.

Ich war zugegebenermaßen direkt auf 180 … Fieber, eine laufende Nase und Nikotinentzug verträgt sich eben nicht wirklich gut mit radikalen Rentnern. Also kurzum, ich raunz sie an ob sie nicht eben warten könnten und er solle bitte aufhören zu drängeln. Atemlos und heiser klang das sicher nicht mal sehr gefährlich.

Rentnerweibchen direkt auf Gegenwehr: „Wir wollen auch einsteigen, wir sind auch nicht so schnell, die Tür schließt sonst.“ Rentermännchen verlässt wagemutig den Drängelplatz hinter mir und stellt sich schützend hinter seine Frau, drängelt nun sie vorwärts. Mittlerweile haben wir den Kinderwagen drin … das Kleinkind war nicht so schnell, fällt vor der Frau auf die Nase. Die kümmert sich nicht sondern sucht den nächsten Sitzplatz und setzt sich.

Ich helfe dem weinenden Kind auf die Beine, es flüchtet sich in Mutters Arme, diese nickt dankend. Wütend drehe ich mich zu dem radikalen Paar um und frage (naiv wie ich nun mal bin) ob sie sich nicht wenigstens entschuldigen wollen? Ich ernte Schweigen und abwertende Blicke, als ich mich dann letztendlich auch hinsetze und nach einem Taschentuch suche höre ich ihn zu ihr sagen:“ Dieses freche Faschistenpack, das wird immer schlimmer, kein Respekt mehr.“

Gerne hätte ich noch Bildungsarbeit geleistet und unseren wertvollen, älteren Mitbürgern erklärt, dass ich, wenn schon zu Unrecht, dann politisch korrekt beschimpft werden will … aber ich hatte einfach keine Kraft mehr.
 
 
 
 
 
Hörbar: Knistern der Kerze
Laune: Müde, langsam genesend

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One Comment leave one →
  1. 04/01/2011 15:01

    1.
    Traurig ist das…schon verrückt diese komische Welt…

    geschrieben von Kito — 20 Feb 2006, 01:29

    2.
    Und hoch das Ärmchen! Ach, wie ich alte Leute mag…

    geschrieben von Aza — 20 Feb 2006, 20:54

    3.
    Ich könnt auf Deutsch gesagt Kübeln ;) wenn ich das lese… *kopfschüttel* sowas hätt mir heute noch gefehlt *grmlmpf*

    geschrieben von Nic — 21 Feb 2006, 20:21

    4.
    Hab gerade alle 4 Renter-Berichte gelesen samt Kommentaren. Starkes Stück Arbeit, finde ich! Schreibst sowieso meistens ganz lustig. So wird der Alltag lesenswert. Und ich gebe Dir Recht! Kennst Du die eine Werbung, wo eine Omi einem jungem Mann seine Chipstüte entreißt, sich aus der Tüte bedient. Es schmeckt ihr. Er will sich seine Tüte zurückholen & sie fängt an zu schreien, er würde ihr die Tüte klauen? Dieses Luder! Sie weiß natürlich ganz genau, wem wird wohl geglaubt & geholfen? Ihm? Nein, der armen, kleinen Oma.
    Meine Oma (ich hab sie wirklich lieb, das steht außer Frage) kann sich auch so ähnlich benehmen. Sie spekuliert auch ganz gerne mal direkt vor meiner Nase mit dem Omibonus. Waren wir letztens zusammen im Lidl/Aldi einkaufen. Sie wollte nur eine von den kleinen Flaschen Apfelschorle, die ja nur im 6er-Pack verkauft werden. Fragt sie mich, ob ich glaube, dass sie die einzeln bekommt. Sage ich „Nein, die gibt es immer nur zu sechst.“ Sie nimmt den 6er-Pack mit an die Kasse & meint zur Kassiererin, dass sie doch nur eine Flasche für die Reise bräuchte & trallala, Omibonus raushalt, einen auf alt & verletzlich macht. Aber die Kassiererin ließ sich nicht erweichen. Die wusste wohl, wie der Hase läuft oder hielt sich einfach nur strickt an die Vorschriften.

    geschrieben von nachtengel — 13 Jun 2006, 10:01

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