Skip to content

Rentner I – Rentner im Supermarkt

03/01/2006

Immer wieder bekomme ich zu hören:

„Aber Tanya, man muss doch Respekt vor dem Alter haben, hab’ nicht immer so eine schlechte Einstellung zu alten Leuten.“

 

Aber was ich immer wieder erlebe, da entwickelt sich mittlerweile eine wirklich schlimmes ablehnendes Verhalten und einige wirklich erlebte Episoden, die zu dieser Einstellung führten, werde ich hier nach und nach veröffentlichen, wann auch immer es mich in den Fingern juckt.

 

Nur noch eins vorweg: Es wird sich vielleicht teilweise sehr unverständnisvoll und wirklich böse unserer älteren Bevölkerung gegenüber anhören … das ist natürlich nicht im allgemein und pauschal so, klar gibt’s auch nette alte Leute und knuffige Omas, ich trage auch der älteren Dame, die unter mir wohnt, schon mal die Tasche die Treppen hoch, wenn ich sie schwer schleppen sehe.

Aber ja, ich hab schon gewisse Vorurteile gegen Rentner, das gebe ich zu.

Was sich im Groben auf die konzentriert, die ihr Alter als Entschuldigung und Vorwand nehmen, sich in der Gesellschaft rücksichtslos zu verhalten … aber das wird klar werden, wenn ihr meine Schreibselein zu dem Thema lest :) Also … genug der Worte, los geht’s:

 

Rentner I – Rentner im Supermarkt

 

Szene 1:

 

Frau kommt von einem 10 Stunden Arbeitstag in den Supermarkt, ist de facto seit 14 Stunden auf den Beinen, sie hat Migräne, keine Schmerztabletten in der Handtasche, will nur noch nach Hause, zu den Tabletten, zum Wein, zur Couch, aus den Schuhen raus, hinlegen, Augen zumachen, Tag beenden, es ist kurz vor 20 Uhr.

 

Frau schnappt sich schnell ein Päckchen Kondensmilch für den Kaffee morgen früh, zwei Brötchen. Margarine fehlt noch. Sie steuert die Kühltheke an, zwei grauhaarige und beleibte Damen stehen augenscheinlich schon eine ganze Weile davor, tief in ein Gespräch versunken. Die beiden grunzen unwillig, als sie mit ihrer Bitte um Platz die Lästerein über die liederliche Frau U. unterbricht, die doch wirklich 3 verschiedene Männer innerhalb einer Woche in ihre Wohnung mitgenommen hat. Sie balanciert Kondensmilch, Brötchen und Tasche, schnappt sich die Margarine, greift sich eine Flasche Wein und geht zur Kasse.

 

Seufzend registriert sie die Schlange an den zwei noch geöffneten Kassen und stellt sich ergeben hinten an, die Augen halb geschlossen, der Kopf scheint zu platzen.

Liebe Kunden, bitte begeben Sie sich zur Kasse, unser Laden schließt in wenigen Minuten
säuselt es aus den Lautsprechern über ihren Kopf hinweg.

 

Umso unsanfter bekommt sie daraufhin hin einige Augenblicke später einen Stoss in den Rücken, sie dreht sich um und bekommt den zweiten Stoss in die Seite.

„Nun Fräulein, nun lassen sie mich mal vor“ eine der beleibten alten Damen steht vor ihr, den Einkaufswagen rappelvoll „gehen sie zur Seite“. Kein Bitte, kein Danke, keine Entschuldigung.

Nicht heute, nicht mit ihr, sie schaltet auf stur und dreht der Dame wortlos wieder den Rücken zu. Der nächste Stoss „Hey!“ Ihr platzt der Kragen, „passen Sie doch auf wo Sie mit ihrem blöden Wagen hinfahren“

„Na Sie machen ja keinen Platz, nun gehen Sie doch zur Seite“ Madame setzt einen weinerlichen Gesichtsausdruck auf, der im krassen Gegensatz zu ihrer schadenfrohen Lästermine an der Kühltheke steht „ich kann nicht mehr so lange stehen, meine Hüfte macht mir Probleme, wissen Sie?“ Immer noch keine Entschuldigung, immer noch kein Bitte.

„Ich habe hier 4 Teile in der Hand wie Sie sehen, Sie haben einen ganzen Wagen voll, meinen Sie nicht, dass ich schneller fertig bin?“ Sie dreht sich wieder um.

„Uuuuuuuunverschämtheit!“ wettert die Alte los „Unverschämt!“ im Takt rammt sie den Einkaufswagen wieder in ihren Rücken. Jetzt ist es ganz vorbei,

„Wen nennen Sie hier unverschämt? Stundenlang Kaffeeklatsch mit der Nachbarin halten, sich aber dann an der Kasse einen ungerechtfertigten Mitleidsbonus erhaschen wollen. Und wenn Sie mir jetzt noch einmal den Wagen in den Rücken rammen vergesse ich mich!“ Ihre Stimme wird lauter, die Ader an der Stirn schwillt gefährlich an.

„Nun schreien Sie doch die Dame nicht so“ an empört sich ein Schlangennachbar zur Rechten. Das war zu viel.

 

Sie gibt mal wieder auf, eine Diskussion steht sie nun nicht mehr durch, angelt nach Kopfhörern und Musik in der Jackentasche und lässt dabei die Margarine fallen. Aber das macht nun auch schon nix mehr. Ein Stoss kommt nicht mehr.

 

Was ich mich frage: Warum gehen Rentner immer kurz vor Feierabend einkaufen? Haben die dafür nicht den ganzen Tag Zeit?

Advertisements
One Comment leave one →
  1. 04/01/2011 15:16

    1.
    also ich geh ja nun oft kurz vor knapp abends einkaufen, habe dabei aber noch nicht sonderlich viele rentner angetroffen
    die scharren sich eher so zwischen 10 und 11 uhr vormittags, aber vielleicht ist das ja regional bedingt ^^

    allerdings ändert das nicht an dem verhalten von manchen, obwohl ichs so krass auch noch nit erlebt hab

    ein aber sicher in einigen vorurteilen tanya voll und ganz zu stimmendes Inchen

    geschrieben von Inchen — 03 Jan 2006, 06:33

    2.
    Ich hab ja auch schon die eine oder andere Begegnung der rentnerigen Art gehabt und habe mir so meinen eigenen kleinen Reim darauf gemacht… Der Grund für deren rücksichtsloses Verhalten dürfte darin liegen, dass sie irgendwann den „Omibonus“ (der Begriff gilt für beide Geschlechter) für sich entdeckt haben. Man kann sich doch gegen keinen älteren Menschen wehren, wenn man Gefahr läuft, dass Unbeteiligte, die am Besten gar nichts von der Situation mitbekommen haben, Partei für das arme, ältere und gebrechliche Opfer ergreifen.
    Mein erschreckendstes Beispiel für den „Omibonus“ habe ich in der Münchner U-Bahn erlebt. Ein südländisch aussehender, junger Mann steigt mit (s)einer Freundin und einem Fahrrad in die Bahn ein und setzt sich in die Nähe einer älteren Dame. Sie schien irgendwas gegen das Rad zu haben und fing an zu motzen: „Er wäre nur Gast in diesem Land“ und all so nette unreflektierte Nazisprüche. Als er dann meinte, er sei hier geboren und aufgewachsen (immernoch sehr höflich), legte sie richtig los, beleidigte ihn und seine Begleitung. Ich hätte nie gedacht, wieviel Dreck in eine ca. 80jährige, zahnlose Fresse passt. Irgendwann wurde es ihm zu doof und er hatte einen (wie ich finde) sehr passenden Spruch parat: „Sind sie Hitlers Schwester…?“ – Ruhe… empört und hilfesuchend hatte die gute Frau mich angeschaut – vermutlich in der Hoffnung, meine Frisur würde politische Einstellung reflektieren und ich würde das unterstützen, was sie da abgeladen hatte. Sie bekam allerdings nur ein müdes und hämisches Grinsen von mir. Da stiegen der armen, älteren Dame die Tränen in die Äuglein und sie setzte sich an die andere Seite der Wagens. – Tja! Der „Omibonus“ zieht bei mir nicht ;-)
    Altwerden ist für mich kein Verdienst mehr – Sorry! Alt wird man und wenn man nichtmal im Alter vernünftiger wird – hey! Selbst Schuld!

    geschrieben von pseiko — 03 Jan 2006, 10:26

    3.
    hallo Tanya,
    es lebe das gesunde vorurteil ;-)
    ein typischer fall selektiver wahrnehmung, also was man aus unerfindlichen gründen, bzw. einer einstellung heraus besonders beachtet.
    die weniger rigiden alten werden entweder im stadtbild, im strassenverkehr oder im schwimmbad erst gar nicht in erscheinung treten.
    das dürfte ganz gewiss die grosse, sogenannte schweigende mehrheit sein.

    zum phänomen selektiver wahrnehmung ein prägnantes beispiel aus eigener erfahrung:
    ich wollte mir ein fahrrad kaufen. da ich als fast-rentner sowohl stark kurzsichtig als auch altersweitsichtig bin,
    sollte es möglichst eine auffällige farbe haben, eine die auffällt, so dass ich es wegen meiner altersbedingten neigung
    zur vergesslichkeit schon von weitem erkenne, wo ich es abgestellt habe.
    nun ja, ich entschied mich für ein rotes fahrrad, denn rote räder hatte ich bis dato nur selten gesehen.
    doch oh wunder, seit ich mein rotes fahrrad hatte, sah ich nur noch rote fahrräder, so viele wie nie zuvor.

    ich musste lachen über deine rentnerphobie, bzw. abneigung, das hat durchaus unterhaltungswert.
    nur dein letzter satz ist sowohl traurig als auch allzu wahr. doch aus der lebensperspektive der alten heraus ist die empfindung, wertlos und überflüssig
    zu sein, wohl ein grund der verbitterung. noch dazu vom vorurteil überhäuft zu werden, als rigide, debil, total unvernünftig zu gelten, tja, das mag ein
    grund zur hoffnungslosigkeit sein.

    im alter ( mit wem, mit welcher gesellschaft? ) vernünftiger zu sein als die jugend? haha. eher das gegenteil sollte man wünschen. kreativer widerstand
    gegen die rücksichtslosigkeit, den egoismus, die lieblosigkeit in _unserer gesellschaftlichen wirklichkeit.
    für die letzten atemzüge, meist in einer aufbewahranstalt für unbrauchbare objekte, sprich altersheim, spätestens da taugt vernunft absolut gar nix mehr.
    zudem die folgen der rationalisierung und automatisierung bei bus, tram und bahn, tja ich denke, die angst zu langsam zu sein und sich deshalb vorzudrängeln,
    hat wohl auch eine echte ursache, deren wirkung du nur aus deiner wirklichkeit heraus reduzierst auf den rentnerhass.

    und fremdenfeindlichkeit, wie bei der alten dame, die findet man in jeder altersklasse, bloß äußert sich das mehr in feigheit und radikalen ausschreitungen,
    nur dann, wenn kein _normaler_ mensch sich einmischt, wenn keiner hinschaut!

    zuletzt, die problematik der alterspyramide ist wohl keine erfindung der medien.
    leider habe ich keine chance, dich als liebenswerte alte dame kennenzulernen.

    schönen sonntag noch
    dietmar

    geschrieben von die-wege — 19 Mär 2006, 21:23

    4.
    Also zu alten Leuten kann ich auch nur meine absolute Antipathie und Abneigung ausdrücken.
    Klar gibt es auch nette, sympatische Rentner. Das sind aber meiner Meinung nach die, die nicht in der Zeit irgendwo stehen geblieben sind.
    Ich schätze über 90% der alten Leute sind irgendwo in den 70ern oder 80ern stehen geblieben und denken, sie hätten immer Recht, nur mit dem Wissen und den Erfahrungen aus dieser Zeit. Heute im Zeitalter des Internets hat sich sooooo viel verändert, aber die Rentner wissen IMMER alles besser, sind Stur und sagen „das war immer so, das kenn ich nicht anders, das ist und bleibt auch so“. Bloß nichts neues an sich ran lassen. DAS NERVT!
    Darüber hinaus nervt die alte Frau die unter mir wohnt!
    Sowas von grimmig, verbohrt, unfreundlich, schwerhörig… und da sind wir auch beim Thema.
    Anstatt sich ein Hörgerät anzuschaffen oder vielleicht Kopfhörer beim Fernsehen zu verwenden… NEIN, die Glotze wird so laut aufgedreht, dass ich den ganzen Tag in meiner Wohnung ZDF höre, nie hat man Ruhe vor dem Fernseh- Gedröhne von unten! Alles reden ist vergebens, die ist sowas von stur!
    Dann raucht die wie ein Schornstein und hat im Sommer ALLE Fenster auf, so dass der ganze kalte Rauchgestank zu mir rein zieht. Und das beste ist: Gegen all das kann man nichts machen obwohl das in meinen Augen schon Belästigung und Nötigung ist!
    Ich bin ja nicht Boswillig aber ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass diese Frau, wenn man diese Gestalt überhaupt als Frau bezeichnen kann, bald nicht mehr da ist!
    Ich bin so ein umgänglicher Mensch und so freundlich hilfsbereit und tollerant, aber bei dem Thema und dieser Person könnt ich nur ausrasten. Ich hasse niemanden mehr als die!

    geschrieben von Marius — 21 Jul 2007, 10:40

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: