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Der Ohrenschmalzmann

13/12/2005

Er fühlt sich wichtig und stark.
Die Securitasjacke macht schon was her bei den Frauen. Was macht es da schon,
dass er seit Monaten nicht beim Frisör war, die Haare wuchsen sowieso nicht mehr
So wie früher, aus der Nase und aus den Ohren schossen sie dafür umso mehr.
Es ist von der alten Schule, fragt ob der Platz frei ist, bevor er sich in den Sitz schmeißt.

Blonde, lange Haare, genau sein Kaliber.
Er grinst ein geübtes Grinsen, dass seine Zahnlücken verdeckt.
Emsig wühlt er in den zahlreichen kleinen Taschen seiner coolen Jacke, findet in einer
der Innentaschen das Objekt seiner Begierde, das wöchentliche Q-Tipp.
Mit einem lasziven Augenaufschlag in Richtung der Frau ihm gegenüber führt er den
linken Arm über den Kopf, um das rechte Ohr auf Spannung zu ziehen um dann das Q-Tipp
bis zum Anschlag in den Gehörgang einzuführen. Sie wird beeindruckt sein ob seiner
Gelenkigkeit und ihn sicher gleich ansprechen. Um dem Nachdruck zu verleihen führt er die
gleiche Prozedur mit dem anderen Ohr durch. Nichts. Keine Reaktion.
Das Q-Tipp wandert wieder in die Innentasche, morgen ist Sonntag, da würde er sich ein
neues gönnen, wurde auch Zeit, denn auch wenn ihn die dunkelgelbe Färbung nicht so
störte, aber so langsam übertönte der Geruch sein Old Spice. Und die Frauen stehen bekanntlich auf Old Spice.

 

Er überlegt. Vielleicht ist sie eher der intellektuelle Typ. Suchend wühlt er in seiner modischen Vollkunstleder Herrenhandtasche und bringt ein Buch zum Vorschein:
“Kurt Tucholsky – gesammelte Werke“ und schlägt es auf.
Na bitte, sie schaut herüber und lächelt! Sie hört gar nicht mehr auf zu grinsen.
Er legt mit der von Spucke angefeuchteten Hand noch mal die Haarsträhnen von Ohr bis
über die Stirn zurecht und beobachtet sie über den Rand des Buches aufmerksam.
Sie fing an zusammenzupacken, Zeit sie anzusprechen!
“Na wo soll es denn hingehen?“
Sie zögert, setzt an, etwas zu sagen und schweigt dann doch.
“Zicke“ denkt er sich. Dass er das Buch verkehrt herum hielt fällt ihm auch nicht auf,
als er es wieder in die Tasche packt.

Tanya, im Versuch zu verstehen, was in jemandem vor sich gehen mag, der sich so ekelhaft verhält …

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One Comment leave one →
  1. 04/01/2011 17:31

    1.
    Also erstmal herzliches Beileid zu so einer widerlichen Begegnung! Und zweitens: kommt heut abend (nach dem Squash *g*) *winkewinke*

    geschrieben von pseiko — 13 Dez 2005, 18:33

    2.
    So! Wieder da ;-) Na vielleicht findet er es ja gar nicht so ekelhaft. Vielleicht ist es „normal“ für ihn. Vielleicht kennt er es nicht anders. Vielleicht hatte er zu Hause keine Zeit. Vielleicht wollte er auch demonstrieren: Schau her – ich richte mich extra für dich! Vielleicht will er nur sich selbst treu sein *upsmussmalkurzlachen*
    Aber mal ne andere Frage: Ist das nicht niedlich, wenn jemand so unbeholfen versucht, die Aufmerksamkeit einer hübschen Frau zu ergattern? Wenn er eigentlich keine Ahnung hat (ich mein, wer hat das schon so wirklich) – das dann aber so offensichtlich und „ehrlich“ zur Schau trägt? Hat das nicht irgendwas niedliches? – Natürlich abgesehen von dem Ekel *g*

    geschrieben von pseiko — 13 Dez 2005, 22:29

    3.
    Ich könnte immer noch schreien, alleine, wenn ich das lese :-o

    geschrieben von Aza — 16 Dez 2005, 17:33

    4.
    Das war bestimmt mein Ex.
    Gruß, Elena.

    geschrieben von Elena — 14 Dez 2006, 18:08

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