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Smilies

27/10/2005

Schon länger schwirrt mir dieses Thema im Kopf rum.
Smilies und damit verbunden der Verlust sich schriftlich auszudrücken, dem geschriebenen Wort Gefühl einzuhauchen.

Sicher, seit Chats und Messenger mit dem Internet die Welt überfluten, versucht man mit Smilies seine Gesichtsausdrücke und Gefühle, das –nicht Geschriebene- zu übermitteln. Dem Gegenüber wissen zu lassen, dass man gerade lächelt, lacht, nachdenklich guckt oder traurig das Gesicht verzieht.

So weit so gut. Dennoch stört mich, dass dadurch die Sprache, besser gesagt die Fähigkeit, sich auszudrücken zu verschwinden scheint. Ganz davon abgesehen, dass heutzutage kaum noch jemand einen handschriftlichen Brief schreibt, nein, auch Mails werden mit den Grinsezeichnungen bevölkert, lediglich in geschäftlichen Briefen wird noch darauf verzichtet.

Versetzten wir und nur um 50 Jahre zurück in die Vergangenheit. Man telefonierte und man schrieb Briefe. Man malte keine kleinen Gesichter hinter jeden Satz, um die Gesinnung und Aussage klar zu machen, sondern man legte das Gefühl, die Stimmung, den Sinn die der Satz aussagen sollte direkt ins Wort. Zwischen den Zeilen lesen war angesagt, sich gleich einem Buch in einen Brief zu vertiefen und herauszulesen, wie Sätze geschrieben sind, die Stimmung einzufangen, die der Schreiber ausdrücken will. Diese Kunst geht uns leider nach und nach verloren.

In Chats und Foren ist es noch schlimmer, zumindest empfinde ich es so. Hinter jeden Satz wird schon fast automatisch ein :) oder ;) oder ^^ gesetzt, ohne weiter darüber nachzudenken. Kommuniziert man in einem Chat, in dem das sowieso alle machen, fällt es kaum weiter auf. Ganz im Gegenteil fällt es eher schon auf, wenn man bewusst auf Smilies verzichtet! Chattet man mit Leuten, die man vom Sehen her kennt und betritt den Raum mit einem „Hi“ statt einem „Hi :)“ schon kommen erste Anfragen, was los sei, ob man Kummer oder Sorgen hat. Nun denn, ich grinse auch nicht in jede Runde, in die ich komme, wenn ich eine Begrüßung ausspreche. Warum sollte ich das virtuell tun? Hmm … Weiter geht es mit Aussagen und Sätzen in einer Diskussion, etwa in einem Forum. Man erläutert klar und deutlich seinen Standpunkt, argumentiert, debattiert. NEIN, dort haben Smilies nichts zu suchen! Ich kann einen Text, eine Aussage, die etwa einen umstrittenen Standpunkt einnimmt und dessen Autor dazu stehen will nicht ernst nehmen, wenn mir am Ende des Satzes ein quietschbuntes zwinkerndes Gesicht angrinst, nur weil der Verfasser dieses Schreiben diesen entweder schon aus Gewohnheit automatisch gesetzt hat oder ihn bewusst setzt um im Voraus die Leserschaft milde zu stimmen.

Mal wieder ein recht unzusammenhängender Text, zu einem Thema, dass mich beschäftigt und einfach mal niedergeschrieben werden musste. Wird eventuell ergänzt oder ausgearbeitet, wenn sich mir meine Gedanken dazu mehr erschliessen.

Tanya, die zwar Smilies hasst, sich dennoch des Gebrauchs ab und an nicht erwehren kann und vor allem sich immer wieder beim *schmunzeln* erwischt, was fast genauso schlimm wie ein Grinsesmily ist.

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One Comment leave one →
  1. 04/01/2011 17:49

    1.
    Jetzt hab ich ein schlechtes Gewissen.

    geschrieben von Aza — 27 Okt 2005, 22:40

    2.
    „Nun denn, ich grinse auch nicht in jede Runde, in die ich komme, wenn ich eine Begrüßung ausspreche.“

    Daran musste ich beim lesen des Textes ebenso denken, man stelle sich vor wie ein solcher Chatlog , quasi als eine Art Drehbuch benutzt, in der Umsetzung mit lebendigen Gegenübern aussähe. Kurz-knackige Sätze, ein Dialog, dabei wird jeder Smiley mimisch korrekt umgesetzt – ein recht bizzar-dümmliches Bild, das sich mir da gerade auftut, man würde meinen eine Szene direkt von der Geschlossenen vorgeführt zu bekommen.

    Ja, ich kann dir Folgen, gebe dir durchaus recht und zähle mich dabei ebenso zu den Leuten, die gerne mal Smeylies im Verhältnis 1:1 zu den Sätzen verstreuen. Dabei kann man ja recht kreativ die wildesten Ausführungen dieser kreieren. Manchmal durchaus angebracht, wer setzt den letzten Smeylie, ganz ohne Text. Aber teilweise ertappe ich mich selbst beim Tippen, mich selbst wertend: „Wieviele dumme Grinsegesichter willst du heute eigentlich noch ziehen? Versuchs mal mit mehr Farbe in den Worten, anstatt immer das faul-monotone Vokabular mit bunten Grinseköpfen zu entschuldigen“. Naja, oder oder so ähnlich. ;o)

    geschrieben von Kikato — 28 Okt 2005, 00:15

    3.
    Tja! Dieser Beitrag hat mich durchaus nachdenklich gestimmt… Ich muss zugeben, dass ich manchmal auch zu einer doch recht exzessiven Nutzung von smilies oder *…*-Aussagen neige, was wie ich finde, durchaus äuqivalent ist – auch wenn in der zweiten Version Worte geschrieben werden…

    Ich muss allerdings dazu anmerken, dass ich diese Smilies und Co. insofern recht interessant finde, als dass sie eine Form von nonverbaler Kommunikation ermöglichen, die ja durch das Medium Internet doch sehr arg eingeschränkt ist. Da in der heutigen Zeit die Kommunikation durch die zunehmende Schnelllebigkeit (ich hasse die neue Rechtschreibung!!! – Sieht doch bescheuert aus: Schnelllebigkeit mit drei „L“!!! – oder?! – egal – zurück zum Text) eben auch die Kommunikation direkter und effizienter gestaltet w4erden muss und da nunmal der Löwenanteil an Kommunikation über die nonverbale Schiene läuft, ist es doch nur natürlich, dass Menschen versuchen, einem abstrakten und anonymen Medium wie dem Internet etwas Leben bzw. eine persönliche Note einzuhauchen…

    Dabei möchte ich noch anmerken, dass früher (also in Zeiten der „Snail-Mail“) selten über Briefe, Kontakte geknüpft worden sind. Ausnahmen wären hier Geschäfts- und wissenschaftliche Kontakte. Persönliche Kontakte wurden direkt zwischenmenschlich aufgebaut und via Brief und Co. aufrechterhalten. Darin besteht, wie ich finde, ein riesiger Unterschied zwischen der Papier-Kommunikation und der elektronischen… Heutzutage ist es doch so, dass man interessante Leute im Internet „trifft“, sich mit ihnen austauscht (über Gott und die Welt), sich aber nie gesehen hat. Da man jetzt das Gegenüber nicht wirklich einschätzen kann und man auch meint, dass das Gegenüber einen selbst nicht einzuschätzen weiß, versucht man mit diesen „Krücken“ (mehr sind ja diese Smilies auch nicht) Emotionen oder einfach nur zwischenmenschliche Nähe aufzubauen bzw. zu kommunizieren. Ich finde das persönlich durchaus ligitim. Denn wie will man zwischen den Zeilen lesen, wenn man den Code (z.B. aus dem direkten Kontakt) noch nicht kennt?

    Puh! Das war jetzt aber viel… Sorry!

    Ich schau mal weiter, wo ich noch was beitragen kann *grins*

    LG

    geschrieben von Steffen — 05 Nov 2005, 18:37

    4.
    auf der einen seite kann ich deine gedanken sehr gut nachvollziehen aber dennoch mache ich persönlich immernoch gerne gebrauch von smilies. warum? weil es beim schreiben mitunter einfach enorm viel zeit spart, wenn man diese geschickt einsetzt und mann nicht jeden satz dreimal lesen muss, bis ihn der empfänger auch so versteht wie ich mir das vorstelle. allerdings halte ich von „smiliewüsten“ auch überhaupt nichts.

    geschrieben von Smiley Planet — 30 Apr 2007, 02:51

    5.
    Ich nehme mir die Freiheit, das komplett anders zu sehen. Für mich stellen Smilies keine Verarmung des geschriebenen Wortes dar, sondern eine Bereicherung.

    Um das darzulegen, möchte ich gerne ein bisschen auf die Historie der Smilies* zu sprechen kommen. Woher kommen die kleinen Biester, die sich mehr und mehr in diverse Texte fressen?

    Nach dem heutigen Wissensstand entstand der Wunsch nach einem Smiley in den 80’er Jahren, zu einer Zeit also, als das Internet primär Universitäten vorbehalten war. Und da kam es immer und immer wieder vor, das eine ironische Bemerkung nicht als solche erkannt wurde und eine wütende Flut entsprechender Antworten produzierte. Es gibt nämlich sehr wohl einen Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Brief und einer Nachricht auf einem Forum. Der klassische Brief ist Individueller Schriftverkehr; in aller Regel kennt man das Gegenüber. Wenn man in einer solchen Kommunikation zur Ironie greift, ist man sich in aller Regel sicher, dass das Gegenüber imstande ist, den Witz zu erkennen.

    Nun ist es aber so, das diese Gewissheit im Internet in der Form nicht vorhanden ist. Das gilt natürlich auch für Mails – im Gegensatz zum alten Brief kann ich praktisch an jeden eine Mail verschicken; vor allem kann ich das sofort machen. Wenigstens mir ging es so, das ich bei Briefen Texte immer ziemlich lange reflektiert habe. Das hing zum Beispiel damit zusammen, das man Fehler nicht ohne weiteres korrigieren konnte. Ich habe zumindest nie dem ersten Brief einen zweiten hinterhergeschickt, um mich zu korrigieren. Bei Mails hingegen ist dieses Verhalten nicht ungewöhnlich.

    Aber zurück in die 80’er Jahre. Die Verquirlung alter Lese- und neuer Schreibgewohnheiten führte zu gewissen Unregelmäßigkeiten. Aus diesem Grund wurde vorgeschlagen, das man ironische Texte mit entsprechenden Zeichen markieren solle. Es wurden einige Vorschläge gemacht (wie beispielsweise die Verwendung des Raute-Zeichens); durchgesetzt hat sich schließlich das mittlerweile weithin bekannte :).

    Ich kann ehrlich nicht sehen, wie die Verwendung eines wie auch immer gearteten Zeichensalats, der verhindert, das man aneinander vorbeispricht, die Sprache verarmen kann. Der Smiley gibt uns neue Ausdrucksmöglichkeiten. Oberflächlich betrachtet ist geschriebene Sprache ein Wust verwirrender Zeichen, die man in praktisch beliebiger Art und Weise interpretieren kann; sie ist auf keinen Fall zwingend eindeutig. Wer sich lange genug mit Sprache an sich befasst, mag das anders sehen, verwechselt aber dann die eigenen Fähigkeiten mit denen eines Großteils der Bevölkerung. Zumal uns Schrift verschiedener Möglichkeiten normaler Kommunikation beraubt. Ich kann meinem Gegenüber nicht in die Augen sehen, ich kann die Mimik nicht prüfen oder mir etwas anhand der Körpersprache zusammenreimen. Und für genau diese fehlende Ausdrucksmöglichkeit ist der Smiley ein Ersatz.

    Häufig – wobei ich das hier nicht implizieren möchte – wird in entsprechenden Texten impliziert, das Smileys die Ausdrucksform der „ungebildeten Klasse“ darstellen. Das geschieht aber nur im Unwissen, das Smileys letztlich der „gebildeten Klasse“, nämlich der Kommunikation zwischen Angehöriger verschiedener Universitäten, entstammt. Um genau das zu verhindern, was ich eben angerissen habe: Fehlerhafte Kommunikation.

    * Ich sprach von der „Historie der Smilies“, gemeint sind ausschließlich die in Texten erscheinenden, und nicht die, die ursprünglich vermutlich auf Harvey Ball zurückzuführen sind.

    geschrieben von Moredread — 01 Nov 2009, 08:53

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