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Gestörte Selbstwahrnehmung

26/07/2005

Jeder kennt zumindest folgende Situation:

Man hört seine eigene Stimme auf einem Video, Anrufbeantworter oder ähnlichem

Führen wir diesen Gedanken mal fort, betrachtet von meiner ganz eigenen Sichtweise und sich verwindenden Überlegungen an einem regnerischen Nachmittag.

Dabei weitet sich es aber über Stimme hinaus auf die ganze Selbstwahrnehmung, oder sollte ich besser sagen Selbstanschauung? Hm. Eigentlich schon, denn es geht um die sogenannten lieben Äußerlichkeiten.

Mal angenommen, es geht allen Menschen auf dieser verkorksten Welt so, dass sie ihre eigene Stimme seltsam und hässlich wahrnehmen – und anscheinend geht es vielen Leuten so, zumindest allen, die ich jemals danach gefragt habe.

Wie kommt es dann, dass es Sänger gibt, die voller Inbrunst und nicht einmal schlecht feine Lieder auf ein Band bannen, es veröffentlichen, damit sehr viel Erfolg haben und nicht vor Ekel jedes Mal dann umkippen, wenn sie irgendwo ihre Songs hören?

Haben sie in der Beziehung ein Gen Defizit? Orientieren sie sich nur an der Meinung anderer, will sagen: Verlassen sie sich darauf, ob ANDERE ihre Stimme als gut klingend empfinden? Ist das Ego so groß, dass sie sich selber mit den Ohren anderer hören können?

Nachgrübelnswert.

Punkt zwei … das Aussehen.

Zugegeben, da sind mir weitläufige Erfahrungsberichte nicht bekannt, sicher, fast jeder sagt: Mir gefällt dies und jenes an mir nicht, das und das finde ich hässlich.

Aber mal ehrlich, meist handelt es sich dabei um das allseits beliebte Fishing 4 Compliments.

Bei mir wirkt sich das so aus:

Habe ich einen guten Tag, hübsche mich ein wenig auf, empfinde mich im Spiegel mal als tageslichttauglich – man mache an diesem Tag ein Foto von mir und ich bekomme unter Garantie Würgreize, manchmal allerdings reicht auch schon ein flüchtiger Blick ins Schaufenster im Vorbeigehen.

Habe ich einen schlechten Tag, bin müde, fertig, die Haare auf halb Acht, Klamotten blind aus dem Kleiderhaufen gegriffen – unter Garantie bekomme ich an diesem Tag ein Kompliment und ein Schnappschuss wird mich zumindest nicht würgen lassen.

Bin es also ICH die eine gestörte Selbstwahrnehmung hat?

Stolz war ich bisher darauf, mich nie nach Trends und Moden zu richten, ich habe meinen eigenen Kopf und der zieht sich auch hin bis zu meiner Meinung von „nett anzuschauen“.

ABER und da liegt der zu diskutierende Punkt:

Wenn sowohl Stimme als auch Aussehen immer dann von anderen als angenehm empfunden werden, wenn man es selber gerade überhaupt nicht dafür hält, egal ob bewusst oder unterbewusst, was wirft das für neue Aspekte auf das Sein?

Sollte es wirklich so sein :schock: dass man sich nach der Wahrnehmung anderer Leute richten sollte? Kann nicht aufhören darüber nachzudenken – es macht mich krank

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One Comment leave one →
  1. 04/01/2011 18:17

    Für das Phänomen mit der Stimme gibt es einen einfachen Grund: Wir meinen unsere Stimme zu kennen – weil wir sie jeden Tag (mal mehr mal weniger) hören. Nur das was wir hören, ist nicht unsere wahre Stimme. Neben dem Klang der Stimme selbst, hören wir noch die Resonanz unseres Kopfes. Diese beiden Faktoren bestimmen unser Erleben unserer eigenen Stimme.
    Wäre es jetzt nicht ein Gedanke, dass wir unsere Stimme auf einem Band (oder was auch immer) nicht mögen, weil sie uns fremd ist? Könnte es sich mit dem Äußeren nicht genauso verhalten? Wie oft schauen wir in den Spiegel (wenn wir nicht gerade Narzissten sind)? Einmal am Tag – zwei mal? Sind wir uns selbst nicht fremder als jedem anderen (zumindest äußerlich)? Mögen wir deshalb unser Bild im Spiegel nicht, weil es vielleicht nicht unserem Selbstbild entspricht. Dem Selbstbild, welches wir den Tag über aus unserer Erinnerung holen… Was sind Erinnerungen? Nur wenn wir in den Spiegel schauen, werden wir an die Realität erinnert. Mögen wir das? Diese Fragen führen wohl ein bissle weit weg vom Thema…
    Fazit: Das unbehagen bei der Betrachtung der eigenen Person (egal in welcher Hinsicht) kommt wohl daher, dass wir uns einfach nur fremd sind – fremder als wir denken. Ist Fremdheit = gestört? Ich denke nicht wirklich…

    geschrieben von S. B. Eavord — 05 Sep 2005, 01:11

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